Willkommen auf der Website der Gemeinde Flums



Sprungnavigation

Von hier aus k?nnen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:
Startseite Alt+0 Navigation Alt+1 Inhalt Alt+2 Suche Alt+3 Inhaltsverzeichnis Alt+4 Seite drucken PDF von aktueller Seite erzeugen
Landschaft Gemeinde Flums
  • Druck Version
  • PDF

Eisenherrenhaus

Eisenherrenhaus
Beschreibung
Die Nutzung des Schilsbaches setzte im 14. Jahrhundert ein. Wasser, im Schilstobel gefasst, in zwei kännelförmigen Leitungen (Chett) aus Steinplatten gefügt durch das Dorf geleitet, diente zum Antrieb von Wasserrädern für Mühlen und Sägereien, später, bei der Gewinnung des Gonzeneisens, für Stampfen (Zerkleinerung des Erzes), Blasebälge (Steuerung der Schmelzöfen) und Schmiedehämmer (Eisenverarbeitung). Holzkohle, in Kohlenmeilern aus Tannenholz gewonnen, erzeugte die Schmelzofenwärme und setzte Eisen aus Erz frei. In alten Schriften findet sich der Ortsname "Flumbs" aus "plumbum", lateinisch für Blei oder Erz, hergeleitet; er wies auf die örtliche, führende Erzverhüttung hin. An den beiden Dorfbächen wird heute in Kleinwerken elektrische Energie gewonnen (EW-Anlage neben dem Rathaus, offenes Chett beim Oberstufenschulhaus).

Gonzenbergwerk und Eisenhütten standen im Eigentum der Grafen von Werdenberg-Sargans, welche die Betriebe im 15. Jahrhundert an die "Eisenherren" (Herren von Griffensee, Zürcher Industrielle) ausliehen. Das gefragte Metall weckte bei den Zürchern das Ansinnen, sich die Grafschaft Sargans samt Bergwerk anzueignen; im langjährigen Alten Zürichkrieg (1440) scheiterten sie jedoch. 1483 erwarben die sieben eidgenössischen Orte Grafschaft und Bergwerk, 1493 auch den Hüttenbetrieb in Flums. Die Rechte, Eisen zu gewinnen, verblieben bei den Zürchern; das "Eisenherrenhaus" von 1567 im Dorf diente als industrieller Verwaltungssitz. Werkzeuge aller Art wurden geschmiedet. Auf ihrer Durchreise belebten Schmiedegesellen aus Bayern und aus dem Tirol das Kunstschmiedehandwerk, u. a. das Schmieden von Grabkreuzen. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts übernahmen die Familien Good den Flumser Eisenbetrieb im eidgenössischen Lehen. Die Wälder des Schilstales lieferten die notwendige Holzkohle. Doch die massiven Rodungen beunruhigten die Bevölkerung, mit Recht: Die wasserregulierende Wirkung der Waldungen versiegte; die Berghänge lockerten sich und glitten bei starken Niederschlägen ab; lose aufgeschüttete Dämme stauten die Wassermengen, hielten dem ansteigenden Druck nicht stand und brachen. Auf diese Weise stürzten in den Jahren 1762 und 1764 gewaltige Wasser- und Geschiebemengen über das Dorf Flums herein und begruben Häuser und Gärten. Die Anhebung des besiedelten Schuttkegels setzte die St. Justuskirche tiefer (Treppenabstieg), ebenso Wohnhäuser, deren Erdgeschosse in den höher geführten Bauten als neue Kellerräume dienten (doppelstöckige Keller). Die Furcht vor weiteren Schilsüberschwemmungen drängte zu Schutzmassnahmen: Der Schmelzbetrieb wurde eingestellt, die Liegenschaften mit umsäumenden Mauern geschützt (erhalten gebliebene Reste), das Schilswasser in Richtung Gräpplang umgeleitet und 1779 mit Schutzmauern im oberen Dorfteil abgesichert. In den Gefahrenbereichen errichtete Bildstöcke dienten als göttlicher Schutz; regelmässige Prozessionen an den Schilsbildstock, begleitet vom St. Justushaupt, bauten auf den vertrauenden Beistand des Kirchenpatrons.

zur Übersicht