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Kapelle Maria Lourdes auf Clevelau

Kapelle Maria Lourdes auf Clevelau
Beschreibung
Malerisch führt am östlichen Flumser Kleinberg eine Bergstrasse über den Röllbach, durch den Wald, an Felspartien und Wiesen vorbei. Auf einem kleinen Plateau angelangt, weitet sich der Blick über das Seeztal. Hier thront ein kleines umfriedetes Gotteshaus mit prägnanten Giebeln, hochstrebendem Türmchen und einladendem Vorzeichen. Das kleine Heiligtum verdanken wir einem Gelübde des in den Jahren 1881 bis 1927 in Flums tätigen Pfarrers Jakob Frei. Franz Xaver Schmon, der spätere Gemeindammann, spendete das Grundstück. Um 1883 wurde der 25-jährige, in Stuttgart ausgebildete Architekt August Hardegger mit dem Bau der neuromanischen Kapelle beauftragt. In seiner reichen Schaffenszeit reifte Hardegger zum bedeutendsten Ostschweizer Kirchenbauer seiner Zeit heran. Das Gotteshaus auf Clevelau, "ein Geschenk an die Anwohner, die Nähe Gottes nicht nur in der Natur, sondern auch als Menschenwerk sichtbar zu vergegenwärtigen", wurde am 19. Juli 1885 Maria Lourdes geweiht. Unter der Terrasse wurde diese heilige Stätte 1937 durch eine Lourdes-Grotte mit Pietà-Darstellung ergänzt. Als Pfarrer Frei zum Rektor der Galluskirche in Colton bei Washington berufen wurde, schenkte er 1901 die Stätte dem bischöflichen Ordinariat in St. Gallen. Eine 1940 errichtete Stiftung beorderte den jeweils amtierenden Pfarrer als Verwalter. Auf Drängen des Ordinariates übernahm die Katholische Kirchgemeinde Flums 1970 die Kapelle. Sie diente der Seelsorge, als Aussenstation für Kapläne, als Andachtsort und seit der Erstellung des Kreuzweges im Jahre 1912 als Ziel von Prozessionen.

Nach der Aussenrenovation 1985 sollte die Auffrischung des Innenraumes folgen. Doch dringendere Aufgaben in der Kirchgemeinde mussten vorgezogen werden. Eine halbe Generation später, 2002, wurde die Innenrenovation vorgenommen. Der vorgefundene Zustand war auf die umfassende Renovation vom Jahre 1937 zurückzuführen. Im Sinne des damaligen Zeitgeistes waren grosse Teile der ursprünglichen Farbgestaltung flächig übermalt und einzelne Bereiche mit einer einfachen Ornamentik überfasst worden. Nur vom prunkvollen Deckengewölbe im Chor und von der Ausmalung der Eingangswand war die Originalfassung sichtbar geblieben. Oberstes Ziel der jüngsten Renovation war, dem Werk Hardeggers wieder gerecht zu werden. Sorgfältige Sondagen brachten Fragmente einer reichhaltigen Ausmalung mit Ornamenten, Symbolen der Gottesmutter Maria, lauretanischen Emblemen und Leidenswerkzeugen des Gekreuzigten ans Tageslicht. Es konnten ausreichende Befunde gesichert werden, um den Kirchenraum in das schmucke Gotteshaus Hardeggers zurückzuführen. Die gesamte Ausmalung von 1937 wurde entfernt, die Originalfassung, wo noch vorhanden, gefestigt und dokumentiert, sämtliche Putzschäden mit Kalkmörtel geflickt. In der Baukommission wurde festgehalten, was restauriert werden kann und was rekonstruiert werden soll. In Bereichen repetitiver, zum Teil auch symmetrisch schablonierter oder gepauster Ornamentik, wie dies charakteristich ist für Ausmalungen des Historismus, erlaubte schon eine partielle Freilegung die originalgetreue Rekonstruktion grösserer Flächen. Im Chorgewölbe wurden Friese mit Begleitbändern freigelegt. Die reiche Rosenrankenbemalung auf goldenem Grund musste nur punktuell retouchiert werden. Die Vorhangdarstellung im Sockel des Chores wurde rekonstruiert. Konsolidierte Orginalfassungen wurden dabei als Belege belassen. Schablonierte Marienmonogramme schimmerten an den Chorwänden durch und liessen die tapetenartige Gestaltung derselben gut erkennen. Hinter der Altarwand war die originale Farbe noch unversehrt vorhanden. Auch sämtliches Holzwerk konnte in die Originalfassung zurückgeführt werden. Mit Johannes Huber wurde ein guter Hardegger-Kenner als Berater gewonnen. Er übersetzte de Inschrift am Chorbogen und am Tonnengewölbe und deutete die emblematischen Darstellungen im Schiff, die sich auf zehn Sätze der Lauretanischen Litanei beziehen.

Die Rückwand des Schiffes mit der Darstellung der Verkündigung ist von einer Übermalung verschont geblieben. Im Tonnengewölbe erscheinen Engeldarstellungen auf blauem, mit goldenen Sternen geschmückten Himmel. Die Originalbefunde der Fensterlaibungen waren ebenfalls klar zu deuten. Nur die Sockelgestaltung im Schiff konnte nicht mehr rekonstruiert werden.

Verschiedene Bereiche mit original belassenen Malereien benötigten nur ein paar Retouchen. Gut erhaltene Farbfassungen zeugen von der Existenz des Originalbefundes und der Originaltreue der Rekonstruktion. Es wurde angestrebt, die gesamte Originalfassung zu konsolidieren und die nötigen Neufassungen möglichst zurückhaltend zu gestalten, damit nach Aussage des Restaurators Ivan Hug "auch der originale Charakter erhalten bleibt". Die Retouchen wurden in Trateggio-Technik und alles, was rekonstruiert wurde, mit Lasurfarbe aufgetragen, sodass sich das Original und die Rekonstruktion vom aufmerksamen Betrachter unterscheiden lassen.

Wer wird beim äusseren Anblick der zierlichen Kapelle vermuten, welch hochstehender Raum sich im Innern eröffnet? Die Architektur wird durch die originale Ausmalung unterstrichen, die Vertikale betont und damit die Blicke auf die Deckengewölbe verstärkt. Die Abfolge Schiff-Chor gewinnt ihre besondere Tiefenwirkung zurück. Das schmucke Gotteshaus erhält durch die weitestgehend originalgetreue Wiederherstellung der gesamten Ausmalung eine intensive, festliche Farbenpracht mit reichen liturgischen Aussagen und eine erstaunliche Grosszügigkeit zurück. Bei diesem kleinen Bijou aus der Zeit des Historismus war eine reichhaltige Ausschmückung in satten Farben zu erwarten. Das Ergebnis ist dennoch überwältigend. Der grosse Respekt vor dem Werk des Erbauers ermöglichte den sicheren Weg zu diesem schönen Resultat, zur Freude der Kirchbürgerschaft und zum Stolz aller am Renovationsprozess Beteiligten.

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