Eulenraupe: So verhalte ich mich richtig

8. Oktober 2026

Die Eulenraupe hat sich weiter ausgebreitet, mittlerweile ist die gesamte Region betroffen. Die Gemeinde Wartau hat sich vom St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei die wichtigsten Fragen beantworten lassen.

Eines nimmt das ANJF gleich vorneweg: Bei den aktuell auftretenden Raupen handelt es sich nach bisherigem Kenntnisstand um einheimische Eulenraupen aus der Familie der Eulenfalter. Das derzeitige massenhafte Auftreten ist ein natürliches Phänomen und nicht mit einer Invasion gebietsfremder Arten vergleichbar. Solche Massenvermehrungen können zeitlich und örtlich stark begrenzt auftreten.

Um bestmöglich über die Raupen zu informieren, werden unten die wichtigsten Fragen rund um das Thema beantwortet.

 

Soll ich unseren Garten grossflächig mit DelFIN spritzen?

Von einer grossflächigen Behandlung von Garten- bzw. Wiesenflächen würden wir derzeit abraten. DelFIN enthält den Wirkstoff Bacillus thuringiensis und ist gegen bestimmte Eulenraupen in verschiedenen Kulturen zugelassen. Entscheidend ist jedoch der Zeitpunkt der Anwendung: Das Mittel wirkt insbesondere bei jungen, kleinen Raupen. Die Zulassung ist jedoch an bestimmte Kulturen und Anwendungsbedingungen gebunden. Eine entsprechende Zulassung für eine pauschale Behandlung einer privaten Rasen- oder Wiesenfläche lässt sich daraus nicht ableiten.
Zudem ist eine flächige Behandlung eines Gartens nicht automatisch sinnvoll, wenn dadurch auch andere, nicht schädliche Insekten betroffen sein können.
Bei einem Einsatz mit Insektiziden ist zwingend vorgängig das Umweltschutzgesetz (USG) zu beachten.

 

Soll ich gar nichts machen und die Raupen fressen lassen?

Wenn keine besonders schützenswerten Pflanzen oder Kulturen betroffen sind, kann grundsätzlich abgewartet werden. Das Auftreten einer grossen Zahl von Raupen bedeutet nicht automatisch, dass eine Bekämpfung notwendig ist. Massenvermehrungen der Eulenraupen treten erfahrungsgemäss nur in grösseren zeitlichen Abständen auf, teilweise etwa alle zehn Jahre. Ein vergleichbares Ausmass ist zudem insbesondere dann zu erwarten, wenn erneut günstige Bedingungen mit warmem und trockenem Wetter herrschen. Bei einzelnen wertvollen Pflanzen können die Raupen, soweit möglich, abgesammelt oder die Pflanzen gezielt geschützt werden.

 

Sollte die Wiese konsequenterweise ebenfalls gespritzt werden?

Aus dem Umstand, dass die Raupen auch Gras fressen, folgt nicht automatisch, dass eine Wiese behandelt werden sollte. Entscheidend ist vielmehr, ob bei einer bestimmten Kultur ein relevanter und vermeidbarer Schaden entsteht.
Bei landwirtschaftlichen Kulturen kann je nach Kultur, Befallsstärke und Entwicklungsstadium der Raupen eine Behandlung sinnvoll sein. Ob und mit welchem Mittel eine Bekämpfung sinnvoll ist, sollte jedoch mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum St. GallenExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet. abgestimmt werden. Das LZSG kann die Situation anhand der betroffenen Kultur und des erwarteten Schadens beurteilen und zu geeigneten Massnahmen beraten.
Für eine private Wiese oder Rasenfläche würden wir derzeit hingegen keine pauschale Behandlung empfehlen.

 

Hat das Amt einen Plan zum Eindämmen der Invasion?

Das aktuelle Auftreten wird nicht wie eine invasive gebietsfremde Art behandelt. Bei den Eulenraupen handelt es sich um einheimische Tiere. Entsprechend besteht keine mit der Bekämpfung invasiver Neobiota vergleichbare kantonale Bekämpfungsstrategie.
Im Vordergrund steht die fachliche Beurteilung der Situation und ihrer Entwicklung.

 

Wird die Situation vom Amt beobachtet?

Die aktuelle Situation ist den zuständigen Stellen bekannt. Eine kantonsweite systematische Überwachung der derzeitigen Eulenraupen-Massenvermehrung, wie sie beispielsweise für bestimmte Quarantäneorganismen besteht, ist jedoch nicht eingerichtet.
Das ist insofern wichtig, als die amtliche Überwachung von Schadorganismen in erster Linie auf bestimmte gesetzlich geregelte Schadorganismen ausgerichtet ist.

 

Werden Bodenproben genommen? Gibt es eine wissenschaftliche Begleitung?

Eine systematische wissenschaftliche Untersuchung oder Bodenprobenahme im Zusammenhang mit dem aktuellen Auftreten ist uns derzeit nicht bekannt.
Agroscope verfügt grundsätzlich über umfangreiche Fachkenntnisse zu Eulenfaltern und deren Überwachung. Beispielsweise werden bestimmte Eulenarten mit Monitoringmethoden wie Pheromonfallen überwacht.

 

Gibt es eine Vernetzung der Amtsstellen?

Ja. Zwischen den kantonalen Pflanzenschutzdiensten und den Fachstellen des Bundes, insbesondere Agroscope und dem Eidgenössischen Pflanzenschutzdienst, bestehen etablierte fachliche Strukturen. Agroscope verfügt über entsprechende diagnostische und entomologische Fachkompetenz. Auf kantonaler Ebene sind bezüglich dieses Organismus das LZSG, ANJF und die entomologische Abteilung des Naturmuseums St.GallenExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet., andreas.kopp@naturmuseumsg.ch, +41 79 431 58 23, im Austausch.

 

Gibt es eine Unterstützung für die Gemeinden?

Eine spezielle finanzielle Unterstützung des Kantons für die Bekämpfung der aktuellen Eulenraupen-Massenvermehrung ist nicht vorgesehen. Die Gemeinden können jedoch eine Beratung in Anspruch nehmen.
Insbesondere bei einem grösseren Auftreten auf landwirtschaftlichen Flächen ist eine fachliche Beurteilung sinnvoll, da dort je nach Kultur und Schadensausmass andere Massnahmen in Frage kommen können.

 

Gibt es offizielle Empfehlungen des Kantons?

Für private Gärten empfehlen wir derzeit insbesondere:

  • keine grossflächige Behandlung von Rasen- oder Wiesenflächen auf eigene Initiative;
  • bei nicht gefährdeten Flächen zunächst abzuwarten;
  • einzelne wertvolle Pflanzen bei Bedarf gezielt zu schützen bzw. Raupen abzusammeln;
  • Pflanzenschutzmittel zurückhaltend und nur entsprechend der jeweiligen Zulassung und Gebrauchsanweisung einzusetzen;
  • bei landwirtschaftlichen Kulturen die Situation fachlich beurteilen zu lassen.

Raupen können auf Privatgrundstücken mit Kieselgur bekämpft werden (z.B. Milben Stopp Fossil Kieselgur kaufen - Schädlingsbekämpfung Agrar - LandiExterner Link wird in einem neuen Fenster geöffnet.)

Quelle: Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen

 

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